Zischen im Ohr: Über den Tinnitus-Doppelgänger

Juli 25, 2014

Ein Zischen im Ohr beunruhigt viele Patienten, glauben sie doch an
einen Tinnitus. Tatsächlich ist das Ohrenzischen aber ein Doppelgänger

Es imitiert die Symptome des Tinnitus, indem es sich als Geräusch im Ohr manifestiert. Doch es gibt einen erheblichen Unterschied zwischen dem Ohrzischen und beispielsweise einem Klingeln, Pfeifen oder Rauschen: Das Zischen im Ohr kann der Arzt fast immer ebenfalls hören. Es ist deshalb "kein echter Tinnitus", erklärte jüngst Professor Michael Forstin, seines Zeichens Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie am Universitätsklinikum Essen, im Gespräch mit dem "Deutschlandfunk". Um das Ohrenzischen zu hören, müsse der Mediziner lediglich sein Stetoskop in die Nähe des Ohres das Patienten halten. "Fast immer" werde es dann gelingen, das Ohrzischen wahrzunehmen.

Zischen im Ohr ist ein pulssynchrones Geräusch

Das Ohrenzischen weist noch eine weitere Besonderheit auf, die für die Diagnostik ausgesprochen wichtig ist: Es ist ein pulssynchrones Geräusch. Dies bedeutet, das Ohrzischen findet stets identisch mit dem Herzschlag statt. Ist dies der Fall, gilt es als sicheres Anzeichen, dass das Zischen im Ohr eben kein "traditioneller Tinnitus" ist, sondern der Doppelgänger. Für Patienten, die unter einem Ohrenzischen leiden und bislang glaubten, sie hätten einen akuten oder sogar einen chronischen Tinnitus, ist dies eine sehr gute Nachricht. Ein Ohrzischen lässt sich fast immer sehr erfolgreich therapieren.

Mein wöchentlicher Newsletter hilft Ihnen,
die Tinnitus-Materie besser zu verstehen ==>

Die Ursachen für ein Zischen im Ohr

Das Ohrenzischen entsteht gängig durch Problemen mit den Blutgefäßen. Gibt es in einem solchen eine Engstelle, so verwirbelt das Blut und das Ohrzischen entsteht, schildert der Experte. Alternativ können auch Aneurismen – zu gut deutsch Ausbeulungen – in den Blutgefäßen für das Zischen im Ohr verantwortlich sein. Diese Ausbeulungen platzen irgendwann, was ebenfalls zu einem Ohrenzischen führt. Als dritte Möglichkeit gibt es zudem noch das Szenario, dass zwischen Arterie und Vene ein Kurzschluss entstanden ist. In diesem Fall erhöht sich die Flussgeschwindigkeit des Bluts merklich, wodurch ebenfalls ein Zischen im Ohr entsteht. Die Pulssychronität des Ohrzischens entsteht deshalb, weil stets das Blut ausschlaggebend ist – und jenes wird bekanntlich vom Herz durch den Körper gepumpt.

Behandlungsmöglichkeiten für ein Zischen im Ohr

Oft ist das Ohrenzischen harmlos und auch nicht sehr laut. Viele Patienten würden sich nach einer Zeit von alleine an die Geräusche gewöhnen und sie nicht weiter wahrnehmen. Man solle in einem solchen Fall am besten überhaupt nichts tun, so Forstin. Ist das Zischen im Ohr allerdings so stark, dass schwierige Begleitprobleme auftreten, liege der Fall anders. Entstünden beispielsweise Schlafstörungen, so sei eine symptomatische Behandlung angemessen. Hierbei werden dann verschiedene Techniken und Medikamente zum Einsatz gebracht, durch welche die entsprechenden Regionen im Körper, die für das Zischen im Ohr verantwortlich zeichnen, verödet werden. In der medizinischen Fachsprache wird der Vorgang als Kathederverödung bzw. Katheterablation genannt wird.

Der ganze Vorgang klingt dabei weitaus schlimmer als er ist: Der zuständige Mediziner sucht die Blutgefäße, die für das Ohrenzischen verantwortlich sind. Sobald diese gefunden wurden, wird ein Katheder zu diesen gelingt. Hier wird dann die Umgebung durch einen hochfrequenten Strom verödet. Der ganze Vorgang ist nur dann riskant, wenn der Ausgangspunkt für das Zischen im Ohr am Herzen lokalisiert wurde. Aber auch hier ist die Gefahr noch überschaubar. 

Der Ernstfall

Wirklich bedrohlich ist ein Ohrzischen erst dann, wenn eine Hirnblutung droht. In diesem Fall müssen die Mediziner nicht nur eine Kathederverödung vornehmen, sondern möglicherweise auch eine neurochirurgische Operation. Deshalb gilt auch für das Zischen im Ohr die identische Regel wie für jeden "traditionellen" Tinnitus: Sobald die Ohrengeräusche auftreten, sollte man zum Arzt, um sich helfen zu lassen und zu verhindern, dass das Schlimmste eintritt.

Falls Sie in meinen Newsletter noch nicht
angemeldet sind, Eintrag rechts oben! >>>

————————————————————————————————

Mehr zum Thema Tinnitus KLICK HIER >>>

Lesen Sie auch:

{ 0 Kommentare… jetzt einen hinzufügen }

Einen Kommentar hinterlassen