Wenn Schwerhörigkeit in die Irre führt

November 29, 2014

Durch unentdeckte Schwerhörigkeit wurde Anne
gemobbt und mit unnötigen Medikamenten belastet.

Anne erledigte Aufgaben und ihr gegenüber geäußerte Wünsche gewissenhaft und war immer für andere da. Als dies ohne erkennbaren Grund nachließ, wurde sie schlecht behandelt, ohne nach einer Ursache, wie beispielsweise Schwerhörigkeit zu suchen. Von allen Seiten wurde nur noch über sie geklagt, war sie doch sonst so beliebt. Sie verstand die Welt nicht mehr, wusste selbst nicht, worum es ging, fühlte sich ungeliebt und missverstanden und zog sich immer mehr in sich selbst zurück bis hin zur gänzlichen Verweigerung. Zunehmend depppressiv und vermeintlich dement sollte sie medikamentös eingestellt werden, ohne die wahre Ursache zu kennen: Schwerhörigkeit.

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Schwerhörigkeit nicht erkannt

Anne kam mit Trisomie 21 zur Welt, umgangssprachlich auch Down-Syndrom oder früher aus Unwissenheit als Mongolismus bezeichnet. Trotz ihrer leichten geistigen Behinderung und ihres in der frühen Kindheit korrigierten Herzfehlers entwickelte sie sich gut. Schwerhörigkeit war für sie nie ein Thema. Sie war von je her ein aufgewecktes, zuvorkommendes und einfühlsames Mädchen. Nach ihrem guten Abschluss einer Förderschule arbeitete sie sich in der Küche einer Werkstatt für behinderte Menschen nach oben und beherrschte die Aufgaben der Essensausgabe sowie des Spülbereichs selbständig. Schwerhörigkeit konnte man hier nicht gebrauchen. In ihrer betreuten Wohngruppe übernahm sie gern Aufgaben für andere und war sehr beliebt. Das änderte sich zunehmend, als sich Anne immer weniger an neue Absprachen hielt. Auch von der Arbeit kamen Klagen über mangelhafte Zusammenarbeit, vor allem wenn es um Neues ging. Anne wurde sogar mit der Frage nach Schwerhörigkeit gemobbt. Schwerhörigkeit wurde fast zum Schimpfwort.

Resignation durch Schwerhörigkeit

Die nunmehr 34-jährige Frau kehrte sich immer mehr in sich. Bei der Art ihrer Behinderung kamen "vorzeitige Alterserscheinungen" öfters vor, verbunden mit den Anfängen von Demenz. Dass Anne unter Schwerhörigkeit leiden könnte, wurde daher lange Zeit außer Acht gelassen. Im Gegenteil. Aufgrund der zunehmenden depressiven Verstimmungen und der nunmehr gänzlichen Arbeitsverweigerung sollte Sie im Bezirkskrankenhaus auf bestimmte Medikamente eingestellt werden. Diese halfen leider auch nichts. Eine mögliche Schwerhörigkeit war noch immer kein Thema. Eine engagierte Krankenschwester bemerkte, dass Anne ältere, gleich gebliebene Abläufe und Regelungen durchaus beherrschte und befolgte, wenn ihr gegenüber respektvolles Verhalten gezeigt wurde. Nur mit Neuem schien es Schwierigkeiten zu geben. Die Krankenschwester vermutete schließlich Schwerhörigkeit als eine mögliche Ursache der Veränderungen und des Rückzuges. Schließlich wurde Anne auf Schwerhörigkeit getestet, welche sich eindeutig bestätigte.

Wieder die "Alte" – trotz Schwerhörigkeit

Aufgrund der Schwerhörigkeit ging Anne mit ihrem Betreuer zur kostenlosen Hörgeräteberatung. Fachmännisch wurde mit ihr zusammen ein leicht zu bedienendes Gerät ausgesucht. Den Umgang mit ihrer Hörhilfe in Verbindung mit der wohl schleichend aufgetretenen Schwerhörigkeit meistert Sie mit Bravour. Schwerhörigkeit ist keine Krankheit, sie lässt sich ausgleichen. Das bemerkten auch die Kollegen und Betreuer von Anne, welche nun alle ein sehr schlechtes Gewissen hatten. Es gehörte zu Annes Wesen, die Menschen schnell in ihr Herz zu schließen. So waren ihre unentdeckte Schwerhörigkeit und die Reaktionen darauf bald vergessen. An einen neuen "Spruch" mussten sich die anderen ab diesem Zeitpunkt aber gewöhnen: "Ich glaub, ich hör wohl schlecht?!"

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