Vereinsamung ohne Hörgerät

Oktober 12, 2014

Ich erlebte Vereinsamung ohne Hörgerät, aber zum Arzt zu
gehen oder mir ein Hörgerät zu besorgen kam für mich nicht in Frage
.

Als Jugendlicher und junger Erwachsener erfreute ich mich eines regen und recht großen Freundeskreises. Ich war nicht immer im Mittelpunkt, aber mit mir konnte man mit Sicherheit viel Spaß haben. Das Ganze funktionierte auch noch, bis ich Mitte 30 wurde. Nach und nach stellte ich fest, dass mein Hörvermögen deutlich nachließ und ich tatsächlich vereinsamte ohne Hörgerät, denn Hinweise hatte ich schon mehrere erhalten. Aber ich war zu dem Zeitpunkt als Verkäufer in einem Modegeschäft tätig und wie sähe das denn aus? Ein noch junger und sportlicher Mann und dann ein Hörgerät im Ohr! Ich war ja nicht taub, ich hatte nur weniger Hörvermögen. Da hätte ich meine Kündigung auch gleich selber schreiben können, oder?

Vereinsamung ohne Hörgerät – das Hörvermögen lässt nach

Während ich bei der Arbeit ohne Hörgerät versuchte zu erraten, was die Kunden wünschten und darin auch mit der Zeit immer besser wurde, ließen meine privaten Kontakte immer mehr nach. Wenn ich jemandem gegenüberstand, konnte ich oftmals die Worte mehr von den Lippen ablesen, als dass ich sie gehört hätte, denn mit meinem Hörvermögen ging es rapide bergab. Doch am Telefon war dies unmöglich – zumindest ohne Hörgerät. Ich vermied also Telefonate mit Freunden, war dementsprechend immer weniger an den verschiedenen Aktivitäten beteiligt, und zog mich vereinsamt in mich selbst zurück. Ich las viel in dieser Zeit, aber das konnte mir den direkten Kontakt zu Freunden auch nicht ersetzen. Die Vereinsamung hatte mich gefangen und ließ mich nicht mehr los.

Kurz vor dem Abgrund der Vereinsamung- durch ein Hörgerät gerettet

Selbst die Arbeit machte keinen Spaß mehr. Meine Leistung ließ natürlich durch das schlechte Hörvermögen und das fehlende Hörgerät nach und so flatterte erst eine Abmahnung ins Haus und kurz darauf auch die Kündigung. Ich sah keinen echten Sinn mehr im Leben und war beinahe schon bereit alles hinzuwerfen. Das schwarze Loch der Vereinsamung zog mich tiefer in sich hinein. Hier ist es meiner Mutter zu verdanken, die trotz ihrer 70 Jahre die Initiative ergriff, und mich zu einem Psychologen schleppte. Nach und nach fasste ich Vertrauen und erzählte die Geschichte meines Lebens, meines nachlassenden Hörvermögens und meiner tiefen Vereinsamung und Verzweiflung. Ich war überrascht, als ich seinen Therapievorschlag hörte, bzw. eher von seinen Lippen ablas.

Der Therapievorschlag lautete, mich zu einer kostenlosen Hörgeräteberatung anzumelden. Ich ließ mich von einem Fachmann für Hörgeräte beraten (Anmeldung Beratung rechte Seite) und trage nun ein Hörgerät. Es ist unglaublich. Das Leben ist soviel besser geworden, seit ich wieder richtig hören kann. Ich bereue noch heute, dass mich meine dumme Eitelkeit so lange von diesem Schritt abgehalten hat. Und mein Hörgerät nimmt kaum jemand wahr. Die Zeiten der Vereinsamung und des schlechten Hörvermögens sind nun vorbei.
Nun habe ich einen neuen Job und wieder einen kleinen, aber ausgewählten Freundeskreis und bin der Vereinsamung und Verzweiflung entronnen. Und all das verdanke ich einer alten und absolut liebenswerten Frau, die mich mit aller verbleibenden Energie aufgerichtet hat. Danke Mama!

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