Tinnitus – was nach dem Mauerfall übrig war

Dezember 19, 2014

Walter litt seit ca. 30 Jahren an Tinnitus, ohne eine Lösung zu
kennen. Erst seit Kurzem lernt er, seine Lebensqualität zu verbessern

Seit er in der ehemaligen DDR bei der Nationalen Volksarmee diente, wird er von einer akustischen Hörstörung, eine Art summendes Ohrgeräusch, rechtsseitig begleitet. Der quälende Tinnitus ging nicht spurlos an ihm vorüber und fiel auch Kameraden der Armee, Freunden und Familie auf. Aus dem Wehrdienst entlassen, heiratete Walter und wurde Vater eines kleinen Sohnes. Die Vaterfreuden und das kollegiale Miteinander in einem Dachdeckerbetrieb ließen Walter seinen Tinnitus ein paar Jahre lang in den Hintergrund drängen, obwohl er nie ganz verschwand. Richtig damit zu leben lernte er erst viel später durch verhaltenstherapeutische Ansätze in Verbindung mit der richtigen Technik.

Der Tinnitus blieb

Nach der Wende kam Walter mit seiner Familie in den Westen. Er musste viel arbeiten, um für sich und seine Lieben eine neue Existenz aufzubauen und seinem Sohn das Mithalten mit den anderen Jugendlichen zu ermöglichen. Teilweise bediente er zwei Jobs gleichzeitig. Als er sich mit seinem inzwischen erwachsenen Sohn überwarf und dieser die Familie verließ, kehrte der Tinnitus in seiner vollen Bandbreite zurück.

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Rückzug und Selbsthilfe bei Tinnitus

Walter war nun 52 Jahre alt und bemühte sich um den Erhalt einer Frührente. Seit zwei Jahren dauerkrank lebte er mit seiner Frau völlig zurückgezogen. Ablenkung durch lautes Fernsehen schien den Tinnitus noch zu verstärken. Straßenlärm und Stimmengemurmel waren für Walter und seinen eindringlichen Tinnitus kaum zu ertragen. Er hatte Angst, es könnte sich schon so in sein Gehirn "eingebrannt" haben, dass er nie wieder Ruhe haben werde. Da sich bei ihm die Meinung festigte, keine wirksame Therapie finden zu können, dachte er daran, seinem Leben ein Ende zu setzten.

Positive Einstellung plus Hörgerät bessern den Tinnitus

Ein Anruf seines Sohnes veränderte alles, letztlich auch den Tinnitus. Walter wurde Opa. Das freudige Ereignis war Ansporn und Weckruf zugleich. Walter versuchte es mit einer Verhaltenstherapie, um besser mit dem Tinnitus umgehen zu lernen, wenn er schon nicht verschwinden wollte. Hier lernte er, das Geräusch nicht mehr in den Vordergrund zu stellen. Er lernte, den Tinnitus weniger zu beachten und sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Zusätzlich nutzte Walter die von seinem HNO-Arzt empfohlen, kostenlose Hörgeräteberatung. Vom Hörgeräteakustiker erhielt er einen sogenannten "Tinnitus-Masker" auch als "Tinnitus Control Instrument" bezeichnet. Hierbei handelt es sich um eine Art "Rauschgerät". Er sieht wie ein normales Hörgerät aus, produziert aber zusätzlich ein festfrequentiertes Rauschen, um neben dem Verstärken der Alltagsgeräusche den störenden Tinnitus zu "überspielen". Der Hörgeräteakustiker programmiert speziell für den jeweiligen Kunden/Patienten ein genau abgestimmtes Geräusch, um die Wahrnehmung des Pfeifens oder Rauschens weit herunter zu schrauben. So wird die Lebensqualität weitestgehend wieder hergestellt. Eine tolle Sache.

Letztlich alles gut – trotz Tinnitus

Walter wollte kein Frührentner mehr sein. Er konnte wieder in seinem alten Betrieb anfangen und hat trotz Tinnitus Spaß am Wandern und der Natur. Auch so manches Fest besucht er gemeinsam mit seiner Frau, unter anderem die Taufe seines Enkelsohnes. Und schreit dieser unaufhörlich, kennt Walter nun die Strategie (ähnlich dem Tinnitus), unerwünschte Geräusche auch manchmal zu "überhören" bzw. einfach mittels Knopfdruck "leiser" zu stellen.

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