Surren im Ohr: Die überraschende Rolle des Gehirns

Juli 15, 2014

Ein Surren im Ohr oder ein anderes Tinnitus-Geräusch hat einen
Einfluss auf das Gehirn. Doch es ist offenbar alles anders als gedacht.

Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Sprach- und Gehörforscherin Fatima Husain von der University of Illinois. Demnach wird ein Ohrensurren, Rauschen, ein Klingeln oder ein Pfeifen im Ohr so durch das Hirn verarbeitet, dass es dem Betroffenen möglich ist, ohne allzu größere Einschränkungen weiter zu leben. Das Gehirn zeigt an dieser Stelle offenbar für chronische Tinnitus-Patienten eine Art von Selbsterhaltungstrieb. Die drei bis vier Millionen Menschen allein in Deutschland, die unter einem dauerhaften Ohrsurren oder einem der anderen Geräusche leiden, werden dies interessant finden, denn möglicherweise ergeben sich aus dieser Erkenntnis neue Möglichkeiten der Behandlung.

So hätte ein Surren im Ohr laut Erwartungen verarbeitet werden müssen

Eigentlich wollte sich die Studie aus den USA gar nicht bewusst damit beschäftigen, wie ein Gehirn beispielsweise das Ohrensurren verarbeitet. Es ging darum, ob Tinnitus-Patienten anders Emotionen wahrnehmen. Der Ausgangspunkt der entsprechenden Überlegungen war, dass dies eigentlich so sein müsse, bedeutet doch ein chronisches Ohrsurren oder ein anderes der Tinnitus-Geräusche einen erheblichen Stress. Deshalb untersuchte das Forscherteam rund um Husain die Amygdala. Jene ist der Sitz der Emotionen. Erwartet wurde, dass diese bei den Patienten mit einem Surren im Ohr lichterloh brennen müsse, wenn man verschiedene Gefühlsregungen auslösen würde. Immerhin würden sich die neuen Emotionen mit den Belastungen durch den Tinnitus summieren. Zudem ist die Amygdala durch verschiedene Nervenbahnen auch noch direkt mit dem Hirn verbunden. Das Ohrensurren prasselt also ständig auf das Hirn ein.

So wirkte sich das Surren im Ohr bzw. ein Tinnitus tatsächlich aus

Tatsächlich war alles anders: Patienten mit einem Surren im Ohr bzw. einem anderen Tinnitus-Geräusch zeigten keineswegs eine übermäßig große Aktivität der Amygdala – ganz im Gegenteil. Wer ein Ohrensurren hatte, bei dem war in der entsprechenden Region deutlich weniger Aktion als bei gesunden Personen auszumachen. Husain vermutet, dass das Gehirn die Sensibilität der Region des Hirns herunter geschaltet habe, um das Ohrsurren oder die anderen Geräusche nicht zu mächtig werden zu lassen. Das wirklich Spannende dabei: Die Verarbeitung von Emotionen funktioniert auch bei Personen mit einem Surren im Ohr ohne Probleme. Das Gehirn hat für die Betroffenen ganz offensichtlich eine Neustrukturierung vorgenommen. Das Surren im Ohr wird als Problem wahrgenommen und umgangen.

Art der Neustrukturierung bei Ohrensurren bzw. Tinnitus möglicherweise Behandlungschance

Weitere Untersuchungen und Studien müssen zeigen, wie genau sich das Gehirn bei einem chronischen Ohrsurren neu strukturiert, um Gefühle weiterhin verarbeiten zu können, dabei aber nicht Gefahr läuft, durch den Tinnitus übermannt zu werden. Dies ist noch unklar. Sobald man diesen Vorgang beim Surren im Ohr aber entschlüsselt habe, biete sich eine große Chance, glauben die Forscher. Das Hirn stellt das Surren im Ohr bezüglich der gefühlsmäßigen Verarbeitungsprozesse weitgehend kalt. Wenn man wisse, wie genau dies gelinge, könne man das Surren im Ohr möglicherweise ganz beseitigen oder zumindest deutlich herunterregeln.

Surren im Ohr: Der Coup der Entdeckung

Denn der Coup an der gemachten Entdeckung ist folgender: Das Gehirn weiß ganz offenbar, woher das Ohrensurren bzw. die sonstigen Geräusche des Tinnitus kommt. Es ist sogar in der Lage, Umbaumaßnahmen durchzuführen, um zu reagieren. Wenn man nun den Weg vom Ohrsurren zurückgehen könne, den das Gehirn genommen hat, so findet nicht nur den Auslöser vom Ohrsurren bzw. dem chronischen Tinnitus, sondern zugleich auch die Botenstoffe, die das Gehirn einsetzt, um dieses zu bekämpfen. Möglicherweise befindet sich die Heilung für das Surren im Ohr und jeden anderen Tinnitus bereits in uns selbst.

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