Knacken im Ohr? So lernen Sie dennoch gut damit zu leben!

Januar 26, 2013

Wenn Patienten klar wird, dass ihr Tinnitus chronisch wurde, das
Knacken im Ohr wahrscheinlich nicht mehr verschwindet, verzweifeln viele
.

Hinter ihnen liegt dann oft eine lange und meist erschöpfende Kette von Behandlungsversuchen, um das Knacken im Ohr wieder loszuwerden. Die Tatsache, dass diese mehr oder weniger erfolglos waren, stellt den Patienten aber noch nicht vor eine ausweglose Situation – auch wenn es zunächst so aussieht. Vielmehr geht es jetzt darum, wie mit dem Knacken im Ohr umgegangen wird. Hier setzt eine interessante, wenn auch wissenschaftlich noch nicht untermauerte Therapieform an: die Tinnitus-Retraining-Therapie. Sie zielt darauf ab, mit dem Knacken im Ohr leben zu lernen, und zwar auf eine komfortable Art und Weise.

Gegen das Knacken im Ohr – Retrain your Brain: Die Tinnitus-Retraining-Therapie

Die Tinnitus-Retraining-Therapie ist noch eine relativ junge Behandlungsform, die genauer betrachtet eine Summe verschiedener Ansätze bündelt. Sie wurde 1990 von Hazell und Jastreboff zusammengestellt und operiert aus einer neurologischen Perspektive. Das bedeutet konkret, sie versucht, sich bestimmte Gewöhnungs- und Bearbeitungsprozesse, zu denen das Gehirn in der Lage ist, zunutze zu machen. Hierfür wird das kontinuierliche Knacken im Ohr als vorhanden akzeptiert und alle Versuche, es auf medizinischem Weg (über die Verabreichung von Tabletten oder Infusionen) zu beseitigen, als ergebnislos angenommen. Nun geht es darum, dem Patienten Wege aufzuzeigen, das Knacken im Ohr in sein tägliches Leben so zu integrieren, dass es nicht länger ein gravierender Störfaktor ist. Dies ist mit dem "Re-Training" bezeichnet: Das Gehirn wird gewissermaßen darauf umtrainiert, das Knacken als Teil der Normalität statt einer Krankheit aufzufassen.

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Drei mögliche Verhaltensweisen stehen dem Patienten hierfür zu Verfügung: Er kann aufhören, das vorhandene Knacken im Ohr als störend abzuspeichern. Er kann lernen, es vollständig auszublenden. Oder er kann es in seine Geräuschumgebung integrieren. Um diese drei Ansätze zu erlernen, schlägt die Tinnitus-Retraining-Therapie vier Trainingseinheiten beziehungsweise Therapieelemente vor. Der Therapiedurchlauf beträgt durchschnittlich ein bis zwei Jahre strukturierter Zusammenarbeit von Therapeuten und Patient, abhängig von der Disziplin und der psychologischen Verfassung des Patienten. Während dieser Phase steht dem Patienten ein Therapeutenteam zur Seite, das sich je nach Therapiephase ergänzt.

Es besteht typischerweise aus dem behandelnden HNO-Arzt, einem Psychotherapeuten mit verhaltenstherapeutischer Ausrichtung, bei Bedarf noch einem zusätzlichen klinischen Psychologen, einem Hörgeräteakustiker und idealerweise einem Stress- bzw. Entspannungstherapeuten. Bestehende Teams können über die Deutsche Tinnitus-Liga abgefragt werden.

Aufklärung, Beratung und Akzeptanz des Knacken im Ohr

Zunächst nimmt der zum Team gehörige HNO-Arzt eine nochmalige Anamnese vor. Dies ist auch bei länger bestehendem, chronischen Tinnitus wichtig, da sie aus der spezifischen Therapieperspektive erfolgt. Es folgt die klare Tinnitusdiagnostik. Dann klärt der Arzt über die weitere Vorgehensweise auf und berät hinsichtlich der einzelnen Therapiemodule. Zu diesem sogenannten Tinnitus-Counseling gehört auch eine psychologische Beratung. Sie hilft dem Patienten oft zu der an dieser Stelle bereits außerordentlich wichtigen Einsicht zu kommen, dass das Knacken im Ohr zunächst als gegeben zu akzeptieren ist. Außerdem versorgt sie ihn mit umfassenden Informationen über die Erkrankung und seinen eigene Wahrnehmungsapparat. So wird ein Wissensvakuum und die damit verbundene, die Krankheit verstärkende, Angst vermieden.

Mit einem Zusatzgeräusch gegen das Knacken im Ohr vorgehen

Danach wird mit dem Hörgeräteakustiker zunächst der Bedarf eines normalen Hörgerätes abgeklärt – vor allem, wenn der Tinnitus als Folge von oder gleichzeitig mit einer akuten, physiologischen Hörstörung aufgetreten ist. Dieses wird dann zusätzlich mit einem Rauschgerät gekoppelt. Ist es nicht nötig, wird nur dieser sogenannte Tinnitus-Masker oder Tinnitus-Noiser verschrieben. Dieser gibt ein kontinuierliches, als angenehm empfundenes Rauschgeräusch ab, das oft einem Wasserplätschern nachempfunden ist. Indem der Patient lernt, dieses als angenehm empfundene Zusatzgeräusch bewusst wahrzunehmen, das allerdings gleichzeitig mit dem Knacken im Ohr zu hören ist, dekonditioniert er seine negative Grundeinstellung zum Ohrgeräusch an sich. Allerdings ist dies ein längerer Gewöhnungsprozess, der bis zu einem Jahr dauern kann.

Verhaltenstherapeutische Ansätze gegen den Tinnitus

Anschließend erfolgt die psychotherapeutische Maßnahme, gekoppelt mit kontinuierlichen Entspannungsübungen zum Stressabbau. Meist kommen hierbei zentrale Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie zum Einsatz. Es gibt allerdings bereits auch Psychologen, die sich auf eine psychologische Tinnitus-Therapie spezialisieren.

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